BRECHT-HAUS IN SANTA MONICA IM UMRISS ERHALTEN

 

Von Ehrhard Bahr

(Foto: Los Angeles Times)

Im Dezember 2010 kam das Brecht-Haus mit der Hausnummer 1063 auf der 26. Straße zum Preis von $1,350.000 auf den Wohnungsmarkt. Der Besitzer hatte nichts Wesentliches am Aussehen des Hauses verändert, so dass man sich die Familie Brecht ohne Schwierigkeiten als Bewohner zwischen 1942 und 1947 vorstellen konnte. Brecht verließ die Vereinigten Staaten per Flugzeug nach Paris am 31. Oktober 1947, nachdem er am Tag zuvor vom House Un-American Activities Committee (HUAC) verhört worden war. Mit Ausnahme seines Sohnes Stefan folgte ihm seine Familie (Helene Weigel und Tochter Barbara) nach Zürich nach.

Im Dezember 2010 musste man befürchten, dass der eventuelle Käufer das Brecht-Haus würde abreißen lassen, um auf dem Grundstück eine gigantische Villa zu errichten. Deshalb wandten sich Brecht-Freunde in Los Angeles an die Baubehörde der Stadt Santa Monica, um das Haus unter Denkmalschutz zu stellen. Im Mai 2011 erteilte die Santa Monica Landmarks Commission die sogenannte Landmark-Designation. Damit war das Haus unter Denkmalschutz gestellt und der zukünftige Besitzer war dazu verpflichtet, das Haus im ursprünglichen Zustand zu erhalten. Ich habe darüber im Dreigroschenheft (Heft 3/2011, S. 27–28) berichtet.

Inzwischen hat sich ein Ehepaar als Käufer gefunden, die das Haus renovierten und einen modernen Nebenbau errichteten, der mit seiner schmucklos weißen zweistöckigen Hauswand mit dem Brecht-Haus kontrastiert, ohne es zu erdrücken. Die ursprünglichen Farben Weiß und Blau verleihen dem alten Haus seine visuelle Eigenständigkeit. Beide Gebäude sind im zweiten Stock mit einer Glasbrücke verbunden. Im oberen Stock befinden sich die Arbeitszimmer des Ehepaars, während es im unteren Stock eine Suite für Gäste gibt. Das Nebengebäude enthält die Wohnräume für die Familie, die im Stil der kalifornischen Moderne mit hohen Fenstern und Schiebetüren zum Innenhof versehen sind. Dort befindet sich auch ein Schwimmbad für die Kinder (weitere Fotos der Los Angeles Times unter http://www.latimes.com/home/la-hm-brecht-house-20140315-story.html#page=1).

Das Schwimmbad, das von der Straße nicht einzusehen ist, stellt vielleicht den einzigen Stilbruch mit dem Brecht-Haus dar. Wie der Dichter in der dritten Hollywood-Elegie schrieb, waren die lasterhaften „Schwimmpfühle“ seiner symbolischen Exil-Topographie eigentlich für die Filmproduzenten und Geldgeber vorgesehen, die dort „allmorgendlich die Schreiber“ abfütterten. Brechts Garten mit den alten Bäumen (Pfeffer- und Feigenbaum), den er oft zum Thema seiner Gedichte wählte, ist vom Schwimmbad verdrängt worden. Der Dichter hätte es gehasst. Die neuen Besitzer des Brecht-Hauses sind sich ihres berühmten Vorgängers bewusst gewesen und haben sich weitgehend den Bedingungen des Denkmalschutzes angepasst. Die Außenansicht des Brecht-Hauses ist unverändert erhalten geblieben und erfüllt somit weiterhin seine Funktion als Erinnerungsort der deutschen Exilliteratur in Los Angeles. Inzwischen erhielt das Nebengebäude von der Santa Monica Conservancy den Preservation Award für 2014.

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04. September 2014 00:33 Uhr

Deutsche Akademie für Kinderliteratur empfiehlt Augsburger Buch

Die Freude bei Michael Moratti (von links), Verlagsleiter beim Wißner-Verlag, Karla Andrä vom FaksTheater und Michael Friedrichs vom Augsburger Bert-Brecht-Kreis samt Rabe und Kanari ist groß: Ihr Buch „Es war einmal ein Rabe…“ ist von der Akademie für Kinderliteratur empfohlen worden. Foto: Anne Wall

Es war einmal ein Rabe
Ein schlauer alter Knabe
Dem sagte ein Kanari, der
In seinem Käfig sang: schau her
Von Kunst
Hast du keinen Dunst.
Der Rabe sagte ärgerlich:
Wenn du nicht singen könntest
Wärst du so frei wie ich. (Bertolt Brecht)

Der kleine Rabe, der auf dem Cover des Kinderbuches „Es war einmal ein Rabe… Kinder illustrieren Brecht“ kommt in diesem Monat groß raus. Es ist von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum Buch des Monats September gekürt worden und darf somit ab sofort mit einem Gütesiegel als „besonders empfehlenswert“ versehen werden. Das Buch entstand beim diesjährigen Brechtfestival. Ein Malwettbewerb, initiiert vom Brechtfestival-Büro, Karla Andrä vom FaksTheater Augsburg und Michael Friedrichs vom Augsburger Bert-Brecht-Kreis, wurde im Vorfeld an Schulen ausgerufen. „Wir haben vielleicht mit
200 Einsendungen gerechnet“, so Karla Andrä und Michael Friedrichs fügt an: „Es war eigentlich ein Test, ob die Schüler von heute noch was mit Brecht anfangen können.“
Und wie! 95 Schulklassen meldeten sich an, 1400 Bilder wurden eingereicht. Friedrichs: „Da sieht man mal, was für eine fortschrittliche Pädagogik Brecht verfolgte, der diese liebevollen Gedichte für seine Kinder schrieb.“ Ganz besonders waren die jungen Künstler von Brechts „Kind, das sich nicht waschen wollte“ und dem in der Folge ein Zwetschgenbaum aus dem Ohr wuchs. Besonders viele Bilder wurden dazu eingereicht. Schließlich musste sich eine Jury für 56 Kunstwerke entscheiden, die die Gedichte in dem vom Brecht-Büro herausgegebenen und im Wißner-Verlag erschienen Buch illustrieren.
Michael Friedrichs sendete Brechtkennerin und Autorin Gudrun Schulz ein Exemplar zu, mit der Hoffnung, sie würde es rezensieren. Besser noch: Schulz, die der Jury der Akademie angehört, schlug es als Buch des Monats ihren Kollegen vor. „Das
freut uns sehr, dass sie sich für unser Buch entschieden haben, und hoffen, dass es nun auch etwas bekannter wird“, so Karla Andrä, die genauso wie Michael Friedrichs bereits wieder an neuen Projekten für das kommende Brechtfestival arbeitet. Während Karla Andrä am Eröffnungstag eine Brecht-Revue mit Schülern der zweiten bis zur sechsten Klasse plant, würde Michael Friedrichs gerne Szenen aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ mit Schülern inszenieren.
„Das Thema ist Brecht im Exil. Brecht hat das Stück aus dem Exil in Dänemark auf Grundlage von Zeitungsartikeln geschrieben und hat es geschafft, dennoch diese furchterregende und bedrückende Atmosphäre der Naziherrschaft wiederzugegeben“, so Friedrichs. Interessierte Schulen aus Bayerisch-Schwaben werden noch gesucht. (ziss)


Wir verlosen zwei Exemplare von „Es war einmal ein Rabe“. Interessierte können bis 14. September eine E-Mail mit Kennwort „Rabe“ an: verlosung.lok@augsburgerallgemeine.de schicken.

 

Nett zu Brecht

Augsburg, Brecht und ein besonderes Verhältnis
Von Ralf Hutter

Brecht und Augsburg - keine uninteressante Frage. Augsburg und Brecht - da glühen die Synapsen. Lange, sehr lange war Brecht in seiner Geburtsstadt als Kommunist verschrien. Nun ist er, jedenfalls in Augsburg, everybody's darling, alle picken sich was heraus, selbst die CSU. Beispiel 1998, 100. Todestag des lange verstoßenen Sohnes der Stadt. Beispiel Ministerpräsident Edmund Stoiber, der erklärte, Brecht zähle zu den bedeutendsten bayerischen Literaten des Jahrhunderts. Das wussten vor Jahrzehnten schon einige Leute, die versucht hatten, in Augsburg was zu 'b.b.' zu machen und nie damit durchdrangen. Die Frage ist, ob sie nun zufrieden sind, wo er so eine Marke geworden ist … mit Brecht-Festival und anderem.

Sendung am 28.8.2014, 13:30 Uhr Deutschlandradio Kultur; Autor: Ralf Hutter (der das Brechtfestival 2014 begleitet hat)

 

Brecht, Strittmatter, 17. Juni, SED

 

Von Jan Knopf

ehe die mythen über den kommunisten Brecht weiter wuchern - hier die nachprüfbaren einzelheiten zu den ehrenwerten erinnerungen des erwin strittmatter:

Gesichert ist:

1. Der Brief Brechts an Ulbricht - es waren insgesamt besser drei Briefe an die DDR-Oberen - war am frühen Morgen des 17. Juni fertig (nicht nach den Ereignissen, vor ihnen!); Wekwerth sollte die Briefe am Morgen des 17. Juni (vor 10 Uhr a.m.!) persönlich übergeben, hatte aber keinen Erfolg; nach dem Eingangsvermerk kam der Brief erst am 19.6. auf den Schreibtisch des "Werten Genossen Ulbricht".

2. BB ging, nachdem auch misslungen war, den Berliner Rundfunk durch das BE zu übernehmen (um zu verhindern, dass falsche Propaganda oder Volksmusik verbreitet würde), mit Erwin Strittmatter und Käthe Rülicke >Unter den Linden<, um sich ein eigenes Bild zu machen, das war etwa um 10 Uhr. Rülicke hielt in ihren längst bekannten (!!) Aufzeichnungen fest, dass Brecht in diesem Zusammenhang, als nämlich die sowjetischen Panzer auffuhren und die Beteiligten noch nicht ahnen konnten, dass die Sache blutig ausgehen würde, geäußert habe, dies sei "der richtige Zeitpunkt, um in die Partei einzutreten".

 

Ab sofort stehen alle Ausgaben des
Dreigroschenhefts seit Heft 1/2010
auch als pdf zur Verfügung.

Der Preis pro Ausgabe ist der gleiche wie das gedruckte Heft: 3 Euro, dazu kommen ggf. Gebühren für den Geldtransfer.
Wir möchten damit die Erreichbarkeit im In- und Ausland verbessern und hoffen auf viele neue Leser.
Augsburg, 2. Mai 2012

Dr. Michael Friedrichs
Redaktion Dreigroschenheft
Wißner-Verlag

 
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