DREIGROSCHENHEFT - Informationen zu Bertolt Brecht

Brecht-Tagung Uni Paderborn 9.-12.11.2016

Prof. Dr. Lothar van Laak


Bertolt Brechts Drehbücher, Filme und Bildpolitik: Medien an den Grenzen des Zeigens
Internationale und interdisziplinäre Tagung anlässlich Brechts 60. Todesjahr 2016


Universität Paderborn, 9. bis 12. November 2016



Schon früh erkennt Bertolt Brecht die Bedeutung und Reichweite der massenmedialen Transformationsprozesse in der Moderne, wenn er 1931 in seinem Dreigroschenprozeß feststellt: „Die alten Formen der Übermittlung nämlich bleiben durch neu auftauchende nicht unverändert und nicht neben ihnen bestehen. Der Filmesehende liest Erzählungen anders. Aber auch der Erzählungen schreibt, ist seinerseits ein Filmesehender.“ (Brecht, Der Dreigroschenpro-zeß, Schriften 1, GBA, Bd. 21, S. 464.)
Im Blick auf die Wechselverhältnisse von Literatur und anderen Medien impliziert Brecht damit eine Konzeption von Intermedialität, die dem Medienverbund unserer Gegenwart schon überaus genau gerecht wird. Denn Brecht schaut weniger auf das Nebeneinander einzelner Medien, sondern vor allem auf das synergetische, aber auch kontrastive Zusammenspiel verschiedener Medien. Darüber hinaus interessieren ihn auch die ästhetischen, sozialen und politischen Effekte davon besonders. Brecht schließt aus seiner Diagnose weiter, dass „[d]ie Technifizierung der literarischen Produktion [...] nicht mehr rückgängig zu machen“ sei; und „Die Verwendung von Instrumenten bringt auch den Romanschreiber, der sie selbst nicht verwendet, dazu, das, was die Instrumente können, ebenfalls können zu wollen, das, was sie zeigen (oder zeigen könnten), zu jener Realität zu rechnen, die seinen Stoff ausmacht, vor allem aber seiner eigenen Haltung beim Schreiben den Charakter des Instrumentebenützens zu verleihen.“ (Brecht, Der Dreigroschenprozeß, ebd.)
Es ist aber bisher keineswegs hinreichend geklärt, wie diese „Technifizierung der literarischen Produktion“ im Allgemeinen und wie die Leistung der „Instrumente“, die Realität zu „zeigen“, im Besonderen aussehen könnten. Tatsächlich ist von einer grundlegenden und umfassenden ästhetischen Prozedur des „Zeigens“ bei Brecht auszuzugehen, im Sinne des Evident-Machens, einer Bildwerdung und einer spezifischen Form der Sichtbarkeit. Dies näher zu untersuchen hat grundlegende Bedeutung für die Bestimmung der Performanz von Literatur und der Möglichkeiten von Mimesis.
Die geplante internationale und interdisziplinäre Tagung anlässlich des 60. Todesjahrs von Bertolt Brecht im Jahr 2016 soll diese Desiderate der Brechtforschung und der Medientheoriegeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in systematischer Weise aufarbeiten. Die Tagung wird erstmals ganz umfassend diskutieren, wie sich Brechts lebenslange Auseinandersetzung mit den Medien, insbesondere dem Film, seine kritische Reflexion insbesondere dieses Mediums und seiner Möglichkeiten und deren Kommentierung, wie sie sich paradigmatisch im Dreigroschenprozess zeigt, genauer beschreiben und insgesamt deuten lässt.
Als Ausgangspunkt werden dazu die Drehbuchentwürfe, die Brecht von frühen Jahren an und während seines ganzen Schaffens verfasst, in den Fokus gerückt. Genauer in filmgeschichtlicher, medientheoretischer und bildpolitischer Weise analysiert werden darüber hinaus dann insbesondere die Drehbücher zu den von ihm mitproduzierten Filmen, die als paradigmatische bildpolitische Kommentare für die späte Weimarer Republik (Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?) und die Kriegszeit im Exil (Hangmen Also Die!) gedeutet werden können.
Die grundlegende Erforschung der Drehbuchentwürfe und Drehbücher sowohl in ihrem inneren filmästhetischen und filmgeschichtlichen Zusammenhang, als auch in ihrem Stellenwert für das Gesamtwerk Brechts ist noch nicht geleistet. Es ist dabei ebenso offensichtlich wie bisher noch ungeklärt, welchen Stellenwert das von Brecht immer wieder gesuchte und erprobte drehbuchartige Schreiben und die konkrete Produktion der Drehbücher für die Entwicklung seines Werks auch für und in den anderen Gattungen gehabt haben und wie der Film in seine ästhetische Produktion hineinwirkt.
Eine zentrale Arbeitshypothese der Tagung soll dabei sein, dass Brechts ästhetische Praktiken in diesem Bereich beide Medien – Literatur und Film – bewusst an ihre Grenzen führen sollen. An ihnen wird das sichtbar und verhandelbar, was das „Zeigen“ als ästhetische, soziale und politische Kategorie ausmacht. In allgemein systematischer Hinsicht wird die Tagung damit auch die aktuelle kulturwissenschaftliche Debatte um das Konstituieren und Transformieren medialer Grenzen bereichern und einen Beitrag zu Phänomenen und Konzepten von Intermedialität liefern. Ein weiterer Ertrag liegt in der Perspektive, dass Brecht mit dieser Kategorie des „Zeigens“ die Medien Film und Literatur in einer bildpolitischen Weise verfasst sieht, die ästhetische und politische Konsequenzen von besonderer Aktualität hat.

Entsprechend gliedert sich das Vortragsprogramm der Tagung in vier Sektionen mit den Schwerpunkten: 1. Bertolt Brechts Drehbücher, 2. Bertolt Brecht und die Filmkunst seiner Zeit, 3. Bertolt Brechts Medienkonzepte im Vergleich sowie 4. Bertolt Brechts Bildpolitik. In den Sektionen sind etwa 20 Beiträge verschiedener Disziplinen, insbesondere der Film-, Medien- und Literatur-, aber auch der Musikwissenschaft und Kulturgeschichte vorgesehen.


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mfg mf

Dr. Michael Friedrichs

Netzfunde

Brecht ist täglich aktiv im Internet.

Einige bemerkenswerte Netzfunde sammeln wir hier, gefunden von Google Alert.

 

Da es so viele werden, löschen wir die älteren nach ein paar Tagen wieder.

 

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